Die chemische Formel der Liebe – Ist Liebe nur Chemie?

Wenn die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt, dann kommt es zu chemischen Reaktionen in unserem Körper und wir sind verliebt. Hormone und Neurotransmitter sind der Grund, warum wir jemanden lieben.

Man kann sich nicht entscheiden, in wen man sich verliebt. Es ist keine Entscheidung. Es ist Chemie. Es ist ein ganzer Liebes-Cocktail aus Duft- und Lockstoffen, Hormonen und Botenstoffen, der uns dieses wunderbare Gefühl der Verliebtheit schenkt. Doch es ist und bleibt Chemie.

Chemie der Liebe

Duft- und Lockstoff: Pheromone

Man sagt ja Liebe geht durch den Magen, aber eigentlich geht Liebe durch die Nase. Hier fängt es also an: das Verliebtsein. In der Nasenschleimhaut befindet sich das vomeronasale Organ. Damit nehmen wir unbewusst Duftstoffe, die Pheromone von anderen Menschen wahr. Diese Pheromone werden von speziellen Duft- und Schweißdrüsen in den Achseln, im Bereich der Brustwarzen und im Genitalbereich gebildet. Mit dem vomeronasale Organ können wir also andere Menschen riechen. Die Pheromone enthalten Informationen über das Immunsystem des Menschen. Wir nehmen hier besonders die Menschen als potentielle Partner wahr,  deren Immunsystem sich von dem eigenen möglichst stark unterscheidet. Dadurch bekommt der Nachwuchs ein besonders starkes Immunsystem und der Erhalt der Art wird so geschützt.

Verliebtsein – ein chemisches Feuerwerk im Gehirn

Wir können den potentiellen Partner also gut riechen. Nun beginnt der Körper mit der Produktion spezieller chemischer Substanzen.

Zittrige Hände, eine Blockade im Kopf, fechte Hände, Herzklopfen und Schmetterlinge im Bauch – so fühlt es sich an, wenn der Körper mit chemischen Substanzen regelrecht geflutet wird.

Verantwortlich für diese Symptome der Liebe sind Adrenalin, Dopamin, Phenylethylamin und Neurotrophin. Diese chemischen Substanzen sorgen für eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Das Stresshormon Adrenalin sorgt für die Aufregung. Verliebtsein ist für den Körper Stress, aber positiver Stress. Durch die Ausschüttung des Hormons Adrenalin steigt der Puls und wir fühlen uns wach und leistungsfähig. Das Hormon Dopamin sorgt für Lust- und Glücksempfinden. Das Glückshormon wirkt direkt im Belohnungssystem unseres Gehirns. Phenylethylamin wird auch als das Verliebtheitshormon bezeichnet. Es ist für das erotische Interesse verantwortlich. Neurotrophin ist ein körpereigener Botenstoff, der wichtig für die Einrichtung von neuronalen Netzen ist und für die Euphorie während der Verliebtheitsphase sorgt.

Wenn unser Gehirn von diesem Chemie-Cocktail durchströmt wird, fühlen wir uns verliebt.

Sehnsucht: Ist Liebe eine Sucht?

Der hohe Dopaminspiegel sorgt für wahre Rauschzustände. Ein sehr angenehmes Gefühl. Doch hierdurch wird das normale Denken gestört und die Gedanken werden zum Auslöser dieser Glücksgefühle gelenkt. Ob man nun will oder nicht, die Gedanken schweifen ab und landen bei der Person, in die man sich verliebt hat. Dieser Vorgang findet in Gehirnarealen statt, die ebenso von Drogen wie Kokain angesprochen werden. Bleibt die Belohnung, in dem Fall der Kontakt zum Partner aus, empfinden wir Sehnsucht. Das ist mit einem Drogenentzug vergleichbar und kann sogar körperliche Entzugserscheinungen verursachen. Dieser Zustand der Sehnsucht kann mehrere Wochen und Monate anhalten.

Mit dem Ansteigen des Dopaminspiegels beim  Verliebtsein sinkt gleichzeitig der Serotoninspiegel. Der Neurotransmitter Serotonin dient als Botenstoff der Informationsübertragung zwischen Neuronen und Synapsen. Serotonin spielt eine wesentliche Rolle beim Einschlafen und beeinflusst unsere emotionalen Empfindungen. Ein Serotonin-Mangel kann Schlaflosigkeit, aber auch Ängste, Sorgen bis hin zu Depressionen hervorrufen. Gerade in Verbindung mit der Sehnsucht kann man ein wahres Gefühlschaos erleben.

Aus Verliebtsein wird Liebe – mit Hilfe von Chemie

Die Verliebtheitsphase ist statistisch nach ca. drei bis 18 Monaten vorbei – und damit oftmals auch gleich die Partnerschaft. Viele Paare trennen sich an diesem Punkt, weil sie dieses Verliebtheitsgefühl wieder erleben wollen, dann mit einem neuen Partner. Dadurch werden sie nie erfahren, welche Qualitäten diese Beziehung hätte haben können.

Schon während des Verliebtseins wird bei jedem Kuss, bei jeder zärtlichen Berührung und auch beim Sex das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Dieses wird auch als Kuschel-Hormon bezeichnet. Das Oxytocin fördert Vertrauen, Treue und sorgt so für eine langfristige zwischenmenschliche Bindung der Partner. Das Hormon Oxytocin gewinnt im Laufe des Verliebtseins immer mehr an Bedeutung und übernimmt schließlich die Vorherrschaft und die Schmetterlinge im Bauch verschwinden langsam.

Erst wenn die Verliebtheitsphase vorbei ist, kann die wahre Liebe beginnen.

Nach dem Absetzen der rosaroten Brille nehmen wir den Partner anders wahr. Wir sehen nun Eigenschaften und Verhaltensweisen, die wir vorher einfach übersehen haben. Dabei entdecken wir oftmals auch Dinge, die uns nicht gefallen und wir üben Kritik oder sind nicht bereit, diese Eigenheiten zu akzeptieren.

Hier trennen sich die Wege der meisten Paare. Schade, denn ob man wirklich gut zusammengepasst hätten, merkt man erst nach drei bis vier Jahren. Vielen Paaren bleibt diese Erkenntnis jedoch vergönnt.

Kein Mensch ist frei von Fehlern oder Macken und so ist es in einer Partnerschaft wichtig, den Partner so zu akzeptieren wie er ist  und Kompromisse einzugehen. Für das nötige Vertrauen und Durchhaltevermögen sorgt das Oxytocin.

Wir werden also von der Partnerwahl bis hin zur langjährigen Beziehung von Hormonen und Neurotransmittern gesteuert. Das hat die Natur sehr klug zum Fortbestand der Art eingerichtet. Nach dem Abklingen der Verliebtheit haben wir in der Regel unseren freien Willen zurück und haben dann die Wahl: Vertrauen wir der Natur oder stürzen wir uns Hals über Kopf in die nächste Achterbahn der Gefühle.

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